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Till Eulenspiegel - Die 96 Historien

 

(Hermann Bote)

 

 

Historie 85-90

 

 

 

Die 85. Historie sagt,

wie ein Holländer aus einer Schüssel einen gebratenen Apfel aß,

darein Eulenspiegel ein Brechmittel getan hatte.

 

 

 

Recht und redlich rächte sich Eulenspiegel an einem Holländer. In einer Herberge in Antwerpen, in der holländische Kaufleute waren, begab es sich einmal, daß Eulenspiegel ein wenig krank wurde. Er konnte kein Fleisch essen und ließ sich weiche Eier kochen. Als die Gäste zu Tisch saßen, kam auch Eulenspiegel an den Tisch und brachte die weichen Eier mit.

Der eine Holländer hielt Eulenspiegel für einen Bauern und sprach: "Wie, Bauer, magst du des Wirtes Kost nicht, daß man dir Eier kochen muß?" Damit nahm er die beiden Eier, schlug sie auf und schlurfte sie eins nach dem andern aus. Die Schalen legte er vor Eulenspiegel hin und sagte: "Sieh hin, leck das aus, der Dotter ist heraus!" Die anderen Gäste lachten darüber, und Eulenspiegel lachte mit ihnen.

Am Abend kaufte Eulenspiegel einen hübschen Apfel, den höhlte er inwendig aus und füllte ihn mit Fliegen und Mücken. Dann briet er langsam den Apfel, schälte ihn und bestreute ihn außen mit Ingwer. Als sie nun des Abends wieder zu Tisch saßen, brachte Eulenspiegel auf einem Teller den gebratenen Apfel und wendete sich vom Tisch ab, als ob er noch mehr holen wolle. Als er den Rücken wandte, griff der Holländer zu, nahm ihm den gebratenen Apfel vom Teller und schlang ihn schnell hinunter. Sogleich mußte der Holländer brechen und brach alles aus, was er im Leibe hatte. Ihm wurde so übel, daß der Wirt und die anderen Gäste meinten, Eulenspiegel habe ihn mit dem Apfel vergiftet.

Doch Eulenspiegel sagte: "Das ist keine Vergiftung, es ist nur eine Reinigung seines Magens. Denn einem gierigen Magen bekommt keine Kost gut. Hätte er mir gesagt, daß er den Apfel so gierig hinunterschlucken wollte, so hätte ich ihn davor gewarnt. Denn in den weichen Eiern waren keine Mücken, aber in dem gebratenen Apfel lagen sie. Die mußte er wieder ausbrechen."

Unterdessen kam der Holländer wieder ganz zu sich und merkte, daß es ihm nicht weiter schadete. Er sprach zu Eulenspiegel: "Iß und brate, ich esse nicht mehr mit dir, und wenn du auch Krammetsvögel hättest."

 

 

 

Die 86. Historie sagt,

wie Eulenspiegel von einer Frau zu Gast geladen wurde,

der der Rotz aus der Nase hing.

 

 

 

Es begab sich einmal, daß ein Hoffest gehalten werden sollte, und Eulenspiegel wollte dahin reiten. Da fing sein Pferd an zu hinken, und er mußte zu Fuß gehen. Es war sehr heiß, und ihn begann zu hungern. Unterwegs lag ein kleines Dorf, aber es war kein Wirtshaus darin. Um die Mittagszeit kam er in das Dorf, in dem er wohlbekannt war. Er ging in ein Haus, wo die Frau saß und Käse machte, und sie hatte einen Klumpen Molke in den Händen. Als die Frau über der Molke saß, hatte sie keine Hand frei, und ein großer Schnudel hing ihr unter der Nase.

Da bot ihr Eulenspiegel einen guten Tag und sah den Schnudel wohl. Das merkte sie zwar, aber sie konnte die Nase nicht an den Ärmeln abwischen und sich auch nicht schneuzen. Da sprach sie zu ihm: "Lieber Eulenspiegel, setzt Euch hin und wartet, ich will Euch gute, frische Butter geben." Da machte Eulenspiegel kehrt und ging wieder zur Tür hinaus. Die Frau rief ihm nach: "Wartet doch und eßt erst etwas!" Eulenspiegel sagte: "Liebe Frau, später, wenn er gefallen ist!" Denn er befürchtete, der Schnudel fiele in die Molke.

Er ging in ein anderes Haus und dachte: Die Butter magst du nicht; wer dazu ein wenig Teig hätte, brauchte keine Eier hineinzuschlagen, er würde von dem Rotz fett genug.

 

 

 

Die 87. Historie sagt,

wie Eulenspiegel 12 Blinden 12 Gulden gab,

so daß sie meinten, sie könnten sie frei verzehren,

zuletzt aber ganz schlecht dabei wegkamen.

 

 

 

Als Eulenspiegel landauf und landab zog, kam er einmal wieder nach Hannover, und da trieb er viele seltsame Abenteuer. Eines Tages ritt er eine Ackerlänge Weges vor dem Tor spazieren. Da begegneten ihm 12 Blinde. Als Eulenspiegel zu ihnen kam, sprach er: "Woher, ihr Blinden?" Die Blinden blieben stehen und hörten wohl, daß er auf einem Pferd saß. Da meinten sie, es sei ein ehrbarer Mann, zogen ihre Hüte und Kappen und sagten: "Lieber Junker, wir sind in der Stadt gewesen. Da ist ein reicher Mann gestorben, dem hielt man ein Seelamt und gab Spenden, und es war schrecklich kalt." Da sprach Eulenspiegel zu den Blinden: "Es ist wirklich sehr kalt, ich fürchte, ihr friert euch zu Tode. Seht her, hier habt ihr 12 Gulden. Geht wieder hin in die Stadt, und zwar zu der Herberge, aus der ich geritten komme" - und er beschrieb ihnen das Haus -, "und verzehrt diese 12 Gulden um meinetwillen, bis dieser Winter vorbei ist und ihr wieder wandern könnt, ohne zu frieren." Die Blinden standen und verneigten sich und dankten ihm eifrig. Und der erste Blinde meinte, der zweite habe das Geld, der zweite meinte, der dritte habe es, der dritte meinte, der vierte habe es, und so fort bis zum letzten, der glaubte, der erste habe es.

Also gingen sie in die Stadt zu der Herberge, wohin sie Eulenspiegel gewiesen hatte. Als sie in die Herberge kamen, sprachen die Blinden: ein guter Mann sei an ihnen vorbeigeritten und habe ihnen aus Barmherzigkeit 12 Gulden geschenkt. Die sollten sie um seinetwillen verzehren, bis der Winter vorüber sei. Der Wirt war gierig nach dem Gelde, nahm sie dafür auf und dachte nicht daran, sie zu fragen und nachzusehen, welcher Blinde die 12 Gulden hatte. Er sprach: "Ja, meine lieben Brüder, ich will euch gut bewirten." Er schlachtete, bereitete zu und kochte für die Blinden und ließ sie so lange essen, bis ihn dünkte, daß sie 12 Gulden verzehrt hätten. Da sprach er: "Liebe Brüder, wir wollen abrechnen, die 12 Gulden sind fast ganz verzehrt."

Die Blinden sagten ja, und jeder fragte den andern, ob er die 12 Gulden habe, damit der Wirt bezahlt würde. Der erste hatte die Gulden nicht, der zweite hatte sie auch nicht, der dritte wiederum nicht, der vierte desgleichen; der letzte wie der erste hatten die 12 Gulden nicht. Die Blinden seufzten und kratzten sich die Köpfe, denn sie waren betrogen, und der Wirt desgleichen. Er saß da und dachte: läßt du die Blinden gehen, so wird dir die Kost nicht bezahlt; behältst du sie, so fressen und verzehren sie noch mehr, und da sie nichts haben, erleidest zu zweifachen Schaden. So trieb er sie hinten in den Schweinestall, sperrte sie darin ein und legte ihnen Stroh und Heu vor.

 

 

 

Die 88. Historie sagt,

wie Eulenspiegel für die Blinden einen Bürgen stellte.

 

 

 

Eulenspiegel dachte, es sei an der Zeit, daß die Blinden das Geld verzehrt hätten. Er verkleidete sich und ritt in die Stadt zu dem Wirt in die Herberge. Als er in den Hof kam und sein Pferd im Stall anbinden wollte, sah er, daß die Blinden im Schweinestall lagen. Da ging er in das Haus und sagte zu dem Wirt: "Herr Wirt, was denkt Ihr Euch dabei, daß die armen blinden Leute so in dem Stall liegen? Erbarmt es Euch nicht, daß sie essen, wovon ihnen Leib und Leben weh tut?" Der Wirt sprach: "Ich wollte, sie wären dort, wo alle Wasser zusammenlaufen. Wenn nur meine Kost bezahlt wäre!" Und er erzählte ihm alles, wie er mit den Blinden betrogen worden sei.

Eulenspiegel sagte: "Wie ist es, Herr Wirt, können sie keinen Bürgen bekommen?" Der Wirt dachte: O hätte ich jetzt einen Bürgen! und sprach: "Freund, könnte ich einen sicheren Bürgen bekommen, den nähme ich und ließe die unseligen Blinden laufen." Eulenspiegel sagte: "Wohlan, ich will in der ganzen Stadt herumhören und sehen, daß ich für Euch einen Bürgen finde."

Da ging Eulenspiegel zu dem Pfarrer und sprach: "Mein lieber Herr Pfarrer, wollt Ihr wie ein guter Freund handeln? Mein hiesiger Wirt ist in dieser Nacht von einem bösen Geist besessen worden. Er läßt Euch bitten, ihm diesen wieder auszutreiben." Der Pfarrer sagte: "Ja, gern, aber er muß einen Tag oder zwei warten, solche Dinge kann man leicht übereilen." Eulenspiegel entgegnete: "Ich will gehen und seine Frau holen, damit Ihr es zu ihr selber sagt." Der Pfarrer sprach: "Ja, laß sie herkommen."

Da ging Eulenspiegel wieder zu seinem Wirt und sagte zu ihm: "Ich habe Euch einen Bürgen besorgt, das ist Euer Pfarrer. Der will dafür gutsagen und Euch geben, was Ihr haben sollt. Laßt Eure Frau mit mir zu ihm gehen, er will ihr das zusagen." Der Wirt war damit einverstanden und froh darüber, und er sandte seine Frau mit Eulenspiegel zu dem Pfarrer. Da hob Eulenspiegel an: "Herr Pfarrer, hier ist die Frau. Sagt ihr nun selber, was Ihr mir zugesagt und gelobt habt!" Der Pfarrer sprach: "Ja, meine liebe Frau, wartet einen Tag oder zwei, so will ich ihm helfen." Die Frau sagte ja, ging mit Eulenspiegel wieder nach Hause und sagte das ihrem Ehemann. Der Wirt war froh, ließ die Blinden gehn und sprach sie ihrer Schuld ledig. Eulenspiegel aber machte sich reisefertig und verschwand unauffällig.

Am dritten Tag ging die Frau zum Pfarrer und mahnte ihn wegen der 12 Gulden, die die Blinden verzehrt hatten. Der Pfarrer sagte: "Liebe Frau, hat Euch Euer Mann das so geheißen?" Die Frau bejahte. Da sprach der Pfarrer: "Das ist der bösen Geister Eigenschaft, daß sie Geld haben wollen." Die Frau sagte: "Das ist kein böser Geist; bezahlt ihm die Kost!" Der Pfarrer sprach: "Mir ist gesagt worden, Euer Ehemann sei vom bösen Geist besessen. Holt mir ihn her, ich will ihn davon befreien mit Gottes Hilfe." Die Frau sagte: "Das pflegen Schälke zu tun, die zu Lügnern werden, wenn sie bezahlen sollen. Ist mein Mann vom bösen Geist gefangen, so sollst du das heute noch zu spüren bekommen."

Und sie lief nach Hause und erzählte ihrem Ehemann, was der Pfarrer gesagt hatte. Der Wirt nahm Spieß und Hellebarde und lief damit zum Pfarrhof. Der Pfarrer wurde dessen gewahr, rief seine Nachbarn zu Hilfe, bekreuzigte sich und sprach: "Kommt mir zu Hilfe, meine lieben Nachbarn! Seht, dieser Mensch ist besessen von einem bösen Geist!" Der Wirt sagte: "Pfaffe, gedenke deiner Worte und bezahle mich!" Der Pfarrer stand und bekreuzigte sich wieder. Der Wirt wollte auf den Pfarrer einschlagen, die Bauern aber kamen dazwischen und konnten die beiden nur mit großer Mühe auseinanderbringen.

Und solange der Wirt und der Pfarrer lebten, mahnte der Wirt den Pfarrer wegen der Kosten. Der Pfarrer sprach, er sei ihm nichts schuldig, sondern der Wirt sei vom bösen Geist besessen, und er wolle ihn bald davon befreien. Das währte, solange die beiden lebten.

 

 

 

Die 89. Historie sagt,

wie Eulenspiegel in einem Spital an einem Tage

alle Kranken ohne Arznei gesund machte.

 

 

 

Einmal kam Eulenspiegel nach Nürnberg, schlug große Bekanntmachungen an die Kirchtüren und an das Rathaus an und gab sich als einen guten Arzt für alle Krankheiten aus. Und da war eine große Zahl kranker Menschen in dem neuen Spital, wo der hochwürdige, heilige Speer Christi mit anderen bemerkenswerten Stücken aufbewahrt ist. Der Spitalmeister wäre einen Teil der kranken Menschen gerne losgeworden und hätte ihnen die Gesundheit wohl gegönnt. Deshalb ging er zu Eulenspiegel, dem Arzt, und fragte ihn, ob er nach den Bekanntmachungen, die er angeschlagen habe, seinen Kranken helfen könne. Es solle ihm wohl gelohnt werden. Eulenspiegel sprach, er wolle viele seiner Kranken gesund machen, wenn er 200 Gulden anlegen und ihm die zusagen wolle. Der Spitahneister sagte ihm das Geld zu, wenn er den Kranken hülfe. Eulenspiegel war damit einverstanden: der Spitalmeister brauche ihm keinen Pfennig zu geben, wenn er die Kranken nicht gesund mache. Das gefiel dem Spitalmeister sehr gut, und er gab ihm 20 Gulden Vorschuß.

Da ging Eulenspiegel ins Spital, nahm zwei Knechte mit sich und fragte einen jeglichen Kranken, welches Gebrechen ihn plage. Und zuletzt, bevor er den Kranken verließ, beschwor er jeden und sprach: "Was ich dir jetzt offenbaren werde, das sollst du als Geheimnis bei dir behalten und niemandem verraten." Das schworen ihm dann die Siechen mit großer Beteuerung. Darauf sagte er zu jedem einzelnen: "Wenn ich euch Kranken zur Gesundheit verhelfen und euch auf die Füße bringen soll, kann ich das nur so: ich muß einen von euch zu Pulver verbrennen und dies den anderen zu trinken geben. Das muß ich tun! Den Kränkesten von euch allen, der nicht gehen kann, werde ich zu Pulver verbrennen, damit ich den anderen damit helfen kann. Um euch alle zu wecken, werde ich den Spitalmeister nehmen, mich in die Tür des Spitals stellen und mit lauter Stimme rufen: "Wer da nicht krank ist, der komme sogleich heraus!" Das verschlafe nicht! Denn der letzte muß die Zeche bezahlen." So sprach er zu jedem allein.

Auf diese Rede gab jeglicher wohl acht. Und am angesagten Tage beeilten sie sich mit ihren kranken und lahmen Beinen, weil keiner der letzte sein wollte. Als Eulenspiegel nach seiner Ankündigung rief, begannen sie sofort zu laufen, darunter einige, die in zehn Jahren nicht aus dem Bett gekommen waren. Als das Spital nun ganz leer und die Kranken alle heraus waren, begehrte Eulenspiegel von dem Spitalmeister seinen Lohn und sagte, er müsse eilig in eine andere Gegend reisen. Da gab er ihm das Geld mit großem Dank, und Eulenspiegel ritt hinweg.

Aber nach drei Tagen kamen die Kranken alle wieder und klagten über ihre Krankheit. Da fragte der Spitalmeister: "Wie geht das zu? Ich habe ihnen doch den großen Meister hergebracht! Er hat ihnen geholfen, so daß sie alle selbst davongegangen sind." Da sagten sie dem Spitalmeister, womit er ihnen gedroht hatte: wer als letzter zur Tür hinauskäme, wenn er zur festgesetzten Zeit riefe, den wolle er zu Pulver verbrennen.

Da merkte der Spitalmeister, daß er von Eulenspiegel betrogen war. Aber der war hinweg, und er konnte ihm nichts mehr antun. Also blieben die Kranken wieder wie zuvor im Spital, und das Geld war verloren.

 

 

 

Die 90. Historie sagt,

wie Eulenspiegel in Mariental die Mönche in der Messe zählte.

 

 

 

Zu der Zeit, als Eulenspiegel alle Lande durchlaufen hatte und alt und verdrossen geworden war, kam ihn eine Galgenreue an. Er gedachte, in ein Kloster einzutreten, arm wie er war, seine ihm noch verbliebene Zeit geduldig zu ertragen und Gott sein ferneres Leben zu dienen für seine Sünden, damit er nicht verloren sei, wenn Gott über ihn geböte.

So kam er in dieser Absicht zu dem Abt von Mariental und bat ihn, daß er ihn als Mitbruder aufnehme, er wolle dem Kloster all das Seine hinterlassen. Der Abt war Narren wohl gesonnen und sagte: "Du bist noch gut bei Kräften, ich will dich gerne aufnehmen, wie du gebeten hast. Aber du mußt etwas tun und ein Amt übernehmen, denn du siehst, daß meine Brüder und ich alle etwas zu tun haben, und jedem ist etwas befohlen." Eulenspiegel sprach: "Ja, Herr, gern." "Wohlan in Gottes Namen", sagte der Abt, "du arbeitest nicht gern, du sollst unser Pförtner sein. Da bleibst du in deinem Gemach und brauchst dich um nichts weiter zu kümmern, als Kost und Bier aus dem Keller zu holen und die Pforte auf- und zuzuschließen." Eulenspiegel sagte: "Würdiger Herr, das vergelte Euch Gott, daß Ihr mich alten, kranken Mann so wohl bedenket! Ich will auch alles tun, was Ihr mich heißet, und alles lassen, was Ihr mir verbietet." Der Abt sprach: "Sieh, hier ist der Schlüssel! Du sollst aber nicht jedermann einlassen, sondern nur jeden dritten oder vierten laß hereinkommen! Denn wenn du zu viele einläßt, so fressen sie das Kloster arm." Eulenspiegel sagte: "Würdiger Herr, ich will es ihnen recht tun."

Und von allen, die da kamen, ob sie ins Kloster gehörten oder nicht, ließ er immer nur den vierten ein und nicht mehr. Darüber wurde vor dem Abt Klage geführt. Der sagte zu Eulenspiegel: "Du bist ein auserlesener Schalk! Willst du die nicht hereinlassen, die hier hereingehören?" "Herr", sagte Eulenspiegel, "jeden vierten habe ich hereingelassen, wie Ihr mich geheißen habt, und nicht mehr. Damit habe ich Euer Gebot vollbracht." "Du hast gehandelt wie ein Schalk", sprach der Abt und wäre ihn gern wieder losgeworden. Und er setzte einen anderen Beschließer ein, denn er merkte wohl, daß Eulenspiegel von seiner alten Sinnesart nicht lassen konnte.

Da gab er ihm ein anderes Amt und sagte: "Sieh, du sollst die Mönche nachts in der Messe zählen. Und wenn du einen übersiehst, so mußt du weiterwandern." Eulenspiegel sprach: "Das ist für mich schwer zu tun, doch wenn es nicht anders sein kann, muß ich es machen, damit das Beste daraus werden mag." Und des Nachts brach er einige Stufen aus der Treppe. Nun war der Prior ein guter, frommer, alter Mönch und allezeit der erste in der Messe. Der kam still zur Treppe, und als er glaubte, auf die Stufen zu treten, trat er durch und brach sich ein Bein. Er schrie jämmerlich, so daß die anderen Brüder hinzuliefen und sehen wollten, was mit ihm war. Da fiel einer nach dem andern die Treppe herab. Eulenspiegel sprach zu dem Abt: "Würdiger Herr, habe ich nun mein Amt richtig versehen? Ich habe die Mönche alle gezählt." Und er gab ihm das Kerbholz, in das er sie alle geschnitten hatte, als einer nach dem andern herunterfiel. Der Abt sprach: "Du hast gezählt wie ein verworfener Schalk! Geh mir aus meinem Kloster und lauf zum Teufel, wohin du willst."

Also kam Eulenspiegel nach Mölln, da wurde er von Krankheit befallen, so daß er kurz danach starb.

 

 

 

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